Die Proktologie befasst sich mit Erkrankungen des Enddarms, des Analkanals und des Beckenbodens. Beschwerden in diesem Bereich sind weit verbreitet, werden aber aus Scham oft lange verschwiegen. Dabei steckt häufig eine harmlose Ursache dahinter, und vieles lässt sich ohne Operation lindern. Zu den häufigen Erkrankungen zählen vergrößerte Hämorrhoiden, die Analfissur, die Analvenenthrombose und der Analabszess, aus dem eine Fistel entstehen kann.
Die Art der Beschwerden gibt oft einen ersten Hinweis. Stechende Schmerzen beim Stuhlgang passen zu einer Analfissur, ein plötzlich aufgetretener, bläulicher Knoten am Afterrand zu einer Analvenenthrombose, pochende und zunehmende Schmerzen mit Schwellung eher zu einem Abszess. Blut, Juckreiz, Nässen, Stuhlschmieren oder ungewollter Stuhlverlust können viele Ursachen haben. Gewissheit bringt erst die Untersuchung – bei Blut umso mehr, weil dahinter auch eine ernste Erkrankung wie Darmkrebs stecken kann.
Die Analfissur ist ein schmaler, längs verlaufender Einriss in der empfindlichen Haut des Analkanals, meist an seiner hinteren Seite. Häufig geht ihr harter Stuhl voraus. Als zentral gilt ein verkrampfter innerer Schließmuskel: Er mindert die Durchblutung, der Riss heilt schlecht, und der Schmerz verstärkt die Verkrampfung. Heilt eine Fissur nicht binnen sechs bis acht Wochen, gilt sie als chronisch; oft bilden sich dann verhärtete Ränder und ein kleiner Hautzipfel, die Vorpostenfalte. Liegt sie ungewöhnlich oder gibt es mehrere, wird nach einer Grunderkrankung wie Morbus Crohn gesucht.
Eine frische Fissur heilt häufig ohne Eingriff. Grundlage ist weicher Stuhl, der ohne Pressen kommt. Eine Salbe, die den Schließmuskel entspannt, gibt dem Riss über einige Wochen Zeit zu heilen, eine betäubende Salbe kann die Schmerzen lindern. Eine chronische Fissur wird in der Regel zunächst sechs Wochen so behandelt. Heilt sie nicht, kommen eine Spritze, die den Muskel vorübergehend entspannt, oder ein kleiner Eingriff infrage, die Fissurektomie – nach der Leitlinie das erste Verfahren unter den Operationen. Den inneren Schließmuskel teilweise einzuschneiden, bleibt wegen des Risikos für die Kontinenz, das sichere Halten von Stuhl und Luft, die Ausnahme.