Von einem Polytrauma sprechen Ärztinnen und Ärzte, wenn mehrere Körperregionen oder Organsysteme gleichzeitig verletzt sind und mindestens eine dieser Verletzungen oder ihr Zusammenwirken lebensbedrohlich ist. Häufige Ursachen sind Verkehrsunfälle, Stürze aus großer Höhe und schwere Arbeitsunfälle.
Die eigentliche Gefahr ist oft nicht zu sehen: eine innere Blutung in Bauch oder Becken, eine verletzte Lunge, ein Schädel-Hirn-Trauma. Verliert der Körper viel Blut, gerät er in einen Schock, und die Organe werden nicht mehr ausreichend versorgt. Deshalb gilt eine feste Reihenfolge: Was das Leben am schnellsten bedroht, wird zuerst behandelt – auch wenn ein gebrochenes Bein sichtbarer ist.
Die Versorgung beginnt am Unfallort. Rettungsdienst und Notärztin oder Notarzt sichern die Atemwege, stillen Blutungen und stellen die Wirbelsäule ruhig. Die Leitstelle sucht eine geeignete Klinik aus und meldet die Verletzten dort an, damit das Team bereitsteht, bevor der Rettungswagen eintrifft.
Der Schockraum ist ein eigener Behandlungsraum der Notaufnahme, ausgestattet für die Aufnahme Schwerverletzter. Unfallchirurgie, Anästhesie, Radiologie und Pflege arbeiten dort nach dem ABCDE-Schema: Atemweg, Atmung, Kreislauf, neurologischer Zustand, dann die Untersuchung des ganzen Körpers. Nach der Erstversorgung folgen oft Tage auf der Intensivstation, weitere Operationen und eine lange Rehabilitation.