Viele Frauen mit Lipödem haben einen langen Weg hinter sich, bevor ihre Beschwerden einen Namen bekommen: Diäten, die an Beinen und Armen kaum etwas ändern, gut gemeinte Ratschläge, Zweifel an sich selbst. Die Erstvorstellung nimmt diese Geschichte ernst und ordnet sie ein.
Die Diagnose ist eine klinische: Gespräch, Blick auf die Proportionen, Tastbefund. Einen Bluttest oder ein Bild, das ein Lipödem beweist, gibt es nicht; ein Ultraschall der Gefäße (Duplexsonografie) kann helfen, Venen- und Lymphgefäßerkrankungen abzugrenzen. Ähnlich aussehen können eine Lipohypertrophie ohne Schmerzen, ein gleichmäßig verteiltes Übergewicht oder ein Lymphödem, bei dem oft auch Füße oder Hände anschwellen. Mischformen kommen vor.
Die übliche Einteilung in drei Stadien beschreibt, wie Haut und Gewebe aussehen. Über die Stärke der Schmerzen sagt sie wenig: Auch bei glatter Haut kann der Leidensdruck groß sein. Dass ein Lipödem zwangsläufig von Stadium zu Stadium fortschreitet, ist nicht belegt. Für die Behandlung zählen deshalb Beschwerden, Einschränkungen und die gesamte gesundheitliche Situation.
Die Erstvorstellung endet mit einer Verdachtsdiagnose. Die gesicherte Diagnose stellen niedergelassene Fachärztinnen und Fachärzte, etwa für Angiologie, für Physikalische und Rehabilitative Medizin oder für Dermatologie – unabhängig von denen, die später operieren würden. Dieses Vier-Augen-Prinzip gilt für die Kassenleistung.
Die konservative Therapie ist die Basis jeder Behandlung: Kompression, manuelle Lymphdrainage, Bewegung und Hautpflege, dazu ein stabiles Gewicht. Sie kann Schmerzen, Spannungs- und Schweregefühl bei vielen Patientinnen deutlich lindern. Das veränderte Fettgewebe beseitigt sie nicht – darum braucht sie Regelmäßigkeit.