Kein Bruch der Bauchwand kommt häufiger vor als der Leistenbruch, medizinisch Leistenhernie. Im Bereich des Leistenkanals gibt die Bauchwand nach, und das Bauchfell stülpt sich durch die Lücke – die Bruchpforte – nach außen, oft gefolgt von Fettgewebe, manchmal von einer Darmschlinge. Männer trifft es deutlich öfter als Frauen: Bei ihnen verläuft der Samenstrang durch den Leistenkanal, der dadurch eine natürliche Schwachstelle bildet.
Typisch ist eine weiche Schwellung, die im Stehen, beim Husten oder Pressen deutlicher wird und im Liegen oft zurückgeht. Viele spüren ein Ziehen oder Drücken, das bei Belastung zunimmt, gegen Abend auch ein Schweregefühl; bei Männern können die Beschwerden bis in den Hodensack ausstrahlen. Manche Brüche bleiben lange unbemerkt und fallen erst bei einer Untersuchung auf.
Zurückbilden kann sich ein Leistenbruch nicht, eher wird er mit der Zeit größer. Trotzdem muss nicht jeder sofort operiert werden: Die internationale Leitlinie HerniaSurge, von der Deutschen Herniengesellschaft mitgetragen, nennt bei fehlenden oder geringen Beschwerden das beobachtende Abwarten ausdrücklich als Option. Schränkt der Bruch bei Arbeit, Sport oder im Alltag ein, spricht das für die Operation – im frühen Stadium ist der Eingriff meist kleiner.
Frauen haben häufiger als Männer einen Schenkelbruch, der knapp unterhalb des Leistenbands austritt. Seine Bruchpforte ist eng, Gewebe klemmt dort leichter ein. Eine Schwellung in der Leistenregion sollte bei Frauen deshalb zügig abgeklärt werden.